Geschichte von Asbest

Asbest galt früher als die "Wunderfaser des 19. Jahrhunderts"

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GESTERN

Asbest hat die Menschen schon seit je her fasziniert. Es ist ein faseriges Mineral, das nicht brennt, das sich aber zu Fäden spinnen und gar zu Stoffen verweben lässt. Das Gewebe hält die Wärme, schützt gleichzeitig vor Feuer und scheint somit fast unzerstörbar.

Im alten Ägypten wurden die Toten in Asbesttücher eingehüllt, die Römer liebten Servietten und Tischtücher aus Asbestfasern. Zur Reinigung konnte man sie einfach ins Feuer werfen und schon waren sie wieder schneeweiss. Man stelle sich vor: unzerstörbare Textilien und der Ofen als Waschmaschine – zu gut, um wahr zu sein!

Doch schon damals wurden seltsame Erkrankungen von Sklaven bekannt, die in den Minen arbeiteten und früh starben. Und es gab sogar schon primitive Atemschutzmasken. Mittlerweile ist klar, was das Sklavensterben in den römischen Minen auslöste: Mikroskopisch feine Partikel setzten sich in der Lunge fest und lösen Krebs aus. Das passiert zwar oft erst nach Jahrzehnten, dann aber meist schnell und immer tödlich.

Erst mit der Industrialiesierung im 19. Jahrhundert erkannte man die zunehemende Gesundheitsgefährdung durch Asbest. Es wurden zwar immer öfter geignete Schutzmassnahmen in der Asbest verarbeitenden Industrie angewendet, doch erst 1990 konnte in der Schweiz ein generelles Asbestverbot umgesetzt werden.

In den 70er Jahren wurde mit der Sanierung von Spritzasbestanwendungen in der Schweiz begonnen. Die Grenzwerte für die berufliche Asbestbelastung wurden weiter verschärft und Regelungen für die Sanierung von Asbest systematisch auf weitere Anwendungen und Baustoffe ausgeweitet.

HEUTE

Trotz gesteigerter Sanierungstätigkeit und dem vorzeitigen Austausch von belasteten technischen Produkten wie  Bremsbeläge, Kupplungen, Zylinderkopfdichtungen etc. ist Asbest noch in vielen vor 1990 erstellten Gebäuden in verschiedenen Baumaterialien vorhanden.

Die Verordnung über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten (Bauarbeitenverordnung, BauAV) und auch die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (Abfallverordnung, VVEA) enthalten heute Vorgaben zur Abklärung auf Schadstoffe vor invasiven Eingriffen an der Bausubstanz. Dadurch soll vermieden werden dass Schadstoffe wie Asbest unkontrolliert in die Luft freigesetzt werden.

Bie älteren Gebäuden müssen in den meisten Kantonen vor Umbau- oder Rückbauartbeiten detaillierte Schadstoffgutachten (Gebäudechecks) und zunehmend auch entsprechende Entsorgungskonzepte eingeplant werden. Liegen keine entsprechenden Dokumente vor, kann es bei Baukontrollen zu unangenehmen Bauverzögerungen bis hin zu einem Baustopp führen.